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Vorgeschichte

Aus dem alten Rom kennt man vor allem das Saturnalienfest vom 17. bis 19. Dezember. Während des Festes gab es keine Standesunterschiede mehr: Herren bedienten ihre Sklaven, man beschenkte sich gegenseitig und trank gemeinsam. Die Todesstrafe wurde während des Festes nicht praktiziert.

Das Christentum hatte zu solchen Spaßveranstaltungen jedoch ein heikleres Verhältnis als die Menschen der Antike. Weltliche Vergnügungen wie zum Beispiel bestimmte Fastnachtsbräuche fielen immer wieder unter kirchliche Verbote. Dennoch gibt es eine Tradition, in denen auch die Kirche einen Freiraum für Spott und Spaß ließ. Im Fest der Narren im Weihnachtskreis wurde ein Narrenabt gewählt sowie Liturgien und heilige Texte parodiert. Dazu gehören zum Beispiel ein Sauf-Vater-Unser oder die Esel-Bischofs-Weihe.

Der Fasching geht wahrscheinlich nicht auf heidnische Fruchtbarkeitskulte zurück. Aus Zeiten vor 10.000 Jahren ist überliefert, daß Menschen bunt bemalt Feiern abhielten und tanzten um böse Geister zu vertreiben. Inwieweit darin ein Ursprung der Faschingsfeiern zu sehen ist, ist zumindest sehr umstritten. Es existieren Theorien, in denen der Karneval in direkter Linie auf heidnische Bräuche zurückgeführt wird. Solche Thesen waren zur Zeit nationalsozialistischer Volkskunde und Geschichtsforschung äußerst populär, werden mittlerweile aber von keinem ernstzunehmenden Wissenschaftler mehr vertreten (womit nicht gesagt werden soll, daß es überhaupt keine Bezüge zwischen den Festen der christlichen Mittelalters und denen der "Heidenzeit" gibt).

Vielmehr kam in ihm das Verlangen nach leiblichen Genüssen vor dem Fasten zum Ausdruck. Tänze und Gelage sind die ältesten bekannten Faschingsbräuche. Im 14.Jh. kamen Renn- und Stechspiele zu Pferde dazu. Im 15.Jh. begannen Patrizier und Zünfte, Maskenumläufe zu veranstalten. Verleitet durch Tier-, Teufels- und Hexenmaskierungen führten sie gelegentlich zu Ausschreitungen. Diese Ausschreitungen werden heute gelegentlich wiederbelebt ...

Köln - München - Berlin

In manchen Gebieten, wie zum Beispiel Köln, gehört Karneval zur Geschichte der Stadt und ist das vielleicht wichtigste Fest des Jahres. In Städten wie München gehört Karneval ebenfalls zur lokalen Tradition, wird aber eher privat als öffentlich gefeiert. In Städten protestantischer Prägung wie Berlin wird Karneval zwar inzwischen auch gefeiert, hat aber keine echte Tradition.

In einem großen Teil des deutschsprachigen Raumes war spätestens in der Reformation der Faschingsspaß vorbei. Die Reformatoren hatten kein Verständnis mehr für solchen "mutwillen, Schreien und andre leichtfertigkeit, wie bisanhero an der teufels fassnacht" begangen wurde, so heißt es in einer Gottesdienstordnung von 1555. Bis auf wenige Ausnahmen ist der Fasching auch heute noch auf die katholischen Gebiete begrenzt.

Spätestens Anfang des 19. Jahrhundert wurde der Karneval wieder entdeckt, wurden Bräuche zum Leben erweckt und neu in Szene gesetzt. Die traditionellen Karnevalsvereine des Rheinlands haben in dieser Zeit der Romantik ihren Ursprung. Aber auch Fastnachtsfeste und Faschingsbräuche im süd- oder südwestdeutschen Raum sind eher Ergebnis einer Wiederbelebung als die einer Jahrhunderte alten Tradition.